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Waren Sie schon einmal auf einem Hundeplatz? Nein? Nicht, dass ich glaube, dass Sie etwas verpasst hätten, aber ich muss das trotzdem jetzt mal loswerden, ich war nämlich auf einem Hundeplatz und ich konnte es beinah nicht fassen, was sich da abspielt. Also, mein menschlicher Begleiter hat in der Zeitung gelesen, dass sich die Hundefreunde diese Bezeichnung stellte sich dann im Nachhinein als absolut unpassend heraus, aber davon später mehr...) auf einer Wiese ganz in unserer Nähe treffen, um gemeinsam mit ihren Hunden zu lernen. Das stellte sich übrigens als Irrtum heraus, denn die Menschen wollten gar nicht lernen, sondern sie wollten, dass die Hunde das tun, was sie sich vorstellten. Nun ja, wir haben uns auf den Weg gemacht, und mit uns trafen nach und nach iimmer mehr meiner Artgenossen ein, kleine und grosse Hunde, Mischlinge und Rassehunde, es war sogar einer dabei, der war voller Falten, obwohl er meinte, er sei erst zwei Jahre, aber wahrscheinlich hat er sich bloß nicht getraut, sein Alter zuzugeben- egal, die ganzen Hunde waren hochmotiviert und wir haben uns auf einen schönen, gemeinsamen Spiel- und Spaßnachmittag gefreut. Das war der nächste Irrtum, wir durften nämlich weder miteinander spielen noch durften wir uns überhaupt kennenlernen ! Können Sie sich das vorstellen? Sobald wir uns beschnüffeln wollten, wurde irgendein Mensch hektisch und zerrte an der Leine. Ich habe Frauchen fragend angesehen und konnte mir das gar nicht erklären. Sie hat fragend zurückgeschaut und konnte sich das wohl ebenso wenig erklären. Direkt neben uns stand ein grosser Schwarzer namens Max mit Sennhund und Huskyblut in seinen Adern. Das war ein Temperamentsbündel ! Mir war er ja zu wild, aber trotzdem, Hut ab, so ein kräftiger Kerl. Er zog an dieser Verbindungsschnur zu seinem Menschen und ein kleiner dicker Mann flog mal hierhin und mal dorthin. Ein bisschen sah es so aus, als würde der kleine Mann gleich durch die Luft fliegen und in einem der Bäume landen, aber eh das passieren konnte, kam ein anderer kleiner dicker Mann, nahm ihm die Leine ab und zerrte wie ein Verrückter daran. Er hatte wahrscheinlich vergessen, dass Max noch daran hing! Jedenfalls brüllte er Max auch noch an und zerrte wieder an der Leine, als wollte er ihm die Wirbel völlig neu sortieren. Max ist zwar ein Temperamentsbündel, aber trotzdem sehr geduldig, sah von seinem Menschen zu dem fremden Mann, setzte sich und wartete erst einmal ab, was das alles sollte. Der fremde Mann lächelte zufrieden und meinte nur, ‘sehen Sie, so muss man mit einem Hund umgehen, streng und konsequent, dann passt das auch’ – sprach's und ging zu einem anderen Hund. Max war immer noch ganz verdutzt, konzentrierte sich dann aber auf eine sehr schöne hellbraune Hündin und dachte gar nicht daran, noch länger stumm herumzusitzen. Nach einer Weile ging es dann los, dass heisst, für die anderen ging es los, die ganzen Hunde sollten auf einer Wiese im Kreis laufen und sich alle paar Meter völlig ohne Grund hinsetzen. Das war vielleicht ein Spektakel! Sind Sie schon mal im Kreis gegangen und haben sich alle paar Meter hingesetzt? Es war überhaupt nicht zu verstehen, warum das so sein sollte und es kam zu grossen Diskussionen zwischen Hund und Mensch. Aber der kleine dicke Mann, der zwischenzeitlich eine ganze Gruppe von 23 Hunden herumkommandieren wollte, brüllte immer wieder ‚Abteilung stehen bleiben, Sitz’ – er meinte aber wohl nur die Hunde, denn die Menschen blieben stehen und er wurde auch nicht wütend. Wer sich nicht setzen wollte, sollte mit einem Druck auf die Wirbelsäule dazu gebracht werden, und gleichzeitig wurde die Leine so hochgezogen, dass der Hund gewürgt wurde. Nun ja, es ist ja klar, dass das so nicht besonders erfolgreich sein konnte. Der eine sprang wieder auf, weil er sich erschrocken hatte, der andere schrie vor Schmerz, weil einem Hund mit einem Hüftschaden das natürlich weh tut und Max- tja Max, wehrte sich auch. Als nämlich sein Mensch ihn mehrfach heruntergedrückt hatte und Max hätte sich ja gesetzt, aber dieses dauernde Gewürge dazu- also, was zuviel ist, ist zuviel, Max sprang hoch, warf den kleinen dicken Mann um, der erschrak und bekam ganz grosse Augen, Max sah ihn fragend an und ehe er sich versah kam von hinten der fremde Mann und – brüllte natürlich. Max hat sehr gute Ohren und hört etwa 30 Mal besser als ein Mensch, aber das wusste der fremde Mann wohl nicht. Ich kann Ihnen sagen, es war ein einziges Chaos an diesem Nachmittag und als die sogenannte Übungsstunde vorbei war, waren sowohl die Vierbeiner als auch die Zweibeiner völlig geschafft und entnervt. Ich glaube nicht, dass es dazu beiträgt, dass die Bindung zwischen Mensch und Hund enger wird und Frauchen hat gesagt, dass ist wie mit einem Stück Styropor, das man mit Gewalt unter Wasser hält- man darf nicht loslassen, sonst ist es aus mit dem guten Funktionieren! Na ja, für uns kommt so etwas ja nicht in Frage, aber den ein oder anderen Artgenossen wird es wohl treffen, weil sein Mensch es nicht besser weiß. Falls jemand von euch eine Möglichkeit sucht, mit seinem Menschen gemeinsam zu lernen, dann solltet ihr darauf achten, dass o Die Gruppe nicht zu gross ist, so dass der Leitmensch noch Zeit hat um auf jeden und jedes Problem einzugehen o Dass der Leitmensch nett ist und Geduld hat o Dass erst einmal Zeit bleibt um sich gegenseitig kennen zulernen, denn Menschen sind da ganz anders, sie selbst bestehen darauf, den anderen kennen zulernen o Das nur mit sogenannter positiver Verstärkung geübt wird, alles was man verbietet, sagt Frauchen führt zu Gegenwehr, alles, was man positiv vermittelt führt zu Lernerfolg o Dass die Gruppen aufgeteilt werden in jüngere und ältere Hunde, weil nämlich ein 10-monatiger Hund nicht so konzentriert arbeiten kann wie ein 5-jähriger. o Dass Pausen eingelegt werden, in denen man mit seinem Menschen spielen kann und o – ach es gibt so vieles, was man anders machen kann- in jedem Fall solltet ihr nicht aufgeben Eure Menschen davon zu überzeugen, dass Gezerre an der Leine, Wirbelschäden und Kommando Ton der Vergangenheit angehören und nur noch von Menschen benutzt wird, die sich mit der Psyche eines Tiers so gar nicht beschäftigt haben. Bis zum nächsten Mal, Euer Anubi el Fuerte P.S.: Ich brauche das ja alles nicht mehr, Frauchen sagt, ich bin schon perfekt- na ja, ich weiss jetzt nicht sicher, ob sie genau dieses Wort benutzt hat, aber meine kleine Schwester geht noch zur Schule und zwar auch zu einem Verein der Hundefreunde- und die heissen zu Recht so und verhalten sich auch wie Hundefreunde. gebrüllt wird da nicht und spielen kann man auch, sagt sie. |
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